Jugendliche wünschen sich ehrliche Einblicke in regionale Berufswelten
IOW und DHBW Lörrach entwickeln mit Schulen, Unternehmen, WSW und Jugendlichen neue Ansätze für die Berufsorientierung im Oberen Wiesental
Wie muss Berufsorientierung aussehen, damit Jugendliche wirklich wissen, welcher berufliche nächste Schritt für sie möglich ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Design Thinking Workshops in Schönau, den der Initiativkreis Oberes Wiesental e. V. gemeinsam mit Prof. Dr. Johannes Kern von der DHBW Lörrach durchgeführt hat.
Das zentrale Ergebnis: Jugendliche wünschen sich Berufsorientierung, die verständlich, ehrlich und niedrigschwellig ist. Sie möchten nicht nur allgemeine Informationen über Berufe erhalten, sondern konkrete Einblicke in Arbeitsalltag, Aufgaben, Menschen, Ausbildungswege und Entwicklungsmöglichkeiten in regionalen Unternehmen. Besonders wichtig ist ihnen die Frage: Was macht ein Unternehmen hier eigentlich genau, und passt das zu mir?
Am Workshop nahmen Schülerinnen und Schüler, junge Studierende, Vertreterinnen und Vertreter regionaler Unternehmen, Schulen, die Wirtschaftsregion Südwest sowie der IOW teil. Die Jugendlichen standen dabei bewusst im Mittelpunkt. Sie berichteten, was ihnen bei der bisherigen Berufsorientierung geholfen hat, was sie eher verwirrt oder gelangweilt hat und was passieren müsste, damit sie sicherer über Ausbildung, Studium oder Beruf entscheiden können.
„Berufsorientierung wird dann wirksam, wenn Jugendliche nicht nur Informationen bekommen, sondern echte Erfahrungen einordnen können. Im Workshop wurde deutlich: Junge Menschen wollen verstehen, wie Arbeit konkret aussieht, welche Wege möglich sind und welcher nächste Schritt zu ihnen passt. Genau dafür braucht es Formate, die zuhören, ausprobieren lassen und Unternehmen als echte Lernorte sichtbar machen“, sagt Prof. Dr. Johannes Kern von der DHBW Lörrach.
Aus den Gesprächen und Arbeitsphasen entstanden mehrere konkrete Ansätze. Eine wichtige Idee ist eine zentrale digitale Übersicht regionaler Unternehmen, zum Beispiel auf der IOW Website. Dort könnten Unternehmen verständlich zeigen, welche Ausbildungswege und Berufsbilder es gibt, welche Aufgaben im Alltag anfallen und welche Menschen dort arbeiten. Kurze Videos, Interviews mit Auszubildenden, Einblicke in Arbeitsplätze und klare Informationen zu Praktika oder Bewerbungswegen könnten Jugendlichen helfen, sich selbstständig zu orientieren.
Ebenso wichtig ist der direkte Austausch mit jungen Menschen aus den Unternehmen. Aus Sicht der Jugendlichen sind Gespräche mit Auszubildenden, dual Studierenden oder jungen Beschäftigten besonders glaubwürdig. Denkbar sind kurze Schulbesuche, Fragerunden, Videos oder digitale Austauschformate, bei denen Fragen offen gestellt werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Formaten zum Ausprobieren. Statt nur über Berufe zu sprechen, sollen Jugendliche kleine Aufgaben, typische Arbeitssituationen oder kurze Praxisprojekte erleben können. Auch Kurzpraktika oder kompakte Schnupperformate wurden als hilfreich bewertet, weil sie Orientierung ermöglichen, ohne dass sich Jugendliche sofort festlegen müssen.
Ergänzend wurden virtuelle Einblicke diskutiert, etwa kurze Rundgänge durch Betriebe oder VR Formate. Diese sollen reale Begegnungen nicht ersetzen, können aber Hemmschwellen senken und erste Orientierung geben, besonders wenn Jugendliche ein Unternehmen noch nicht kennen.
Der Workshop knüpft an die Neuausrichtung der Berufsorientierung im Oberen Wiesental an. Ziel ist nicht, bestehende schulische Angebote zu ersetzen. Vielmehr sollen sie durch ein gemeinsames, praxisnahes Format ergänzt werden, das Jugendliche stärker beteiligt und regionale Unternehmen sichtbarer macht.
„Jugendliche suchen keine Hochglanzwerbung, sondern echte Orientierung. Sie wollen sehen, wie Arbeit wirklich aussieht, mit Menschen sprechen, die ihren Weg schon gegangen sind, und ohne Druck herausfinden, was zu ihnen passt“, fasst Stefan Ganzmann vom IOW eine zentrale Erkenntnis des Workshops zusammen.
Als nächsten Schritt will der IOW gemeinsam mit Schulen und Unternehmen prüfen, welche Ansätze sich als Pilotprojekt umsetzen lassen. Im Vordergrund steht dabei ein Format, das innerhalb der nächsten Monate getestet werden kann, für Jugendliche echten Nutzen bietet und für regionale Unternehmen realistisch machbar ist.
„Der Workshop hat gezeigt, dass Berufsorientierung dann wirksam wird, wenn Jugendliche nicht nur Zielgruppe sind, sondern aktiv mitgestalten. Genau daran wollen wir jetzt anknüpfen“, so Heike Fink vom IOW.











